REIHEN

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die folgenden Anleitungen nur zwei Herangehensweisen an Reihen beschreiben - die zwei, die für mich persönlich am besten funktionieren. Vielleicht sind sie auch für Sie stimmig. Aber Sie können sie gerne den eigenen Bedürfnissen anpassen! Falls Sie streng traditionelle Herangehensweisen an das Kartenlegen bevorzugen, müssen Sie sich nach einer anderen Quelle umsehen!



Inhaltsverzeichnis

1 >> das legesystem
2 >> wann reihen geeignet sind
3 >> wie sie funktionieren
A >> ... für fragen zu chronologischen phasen
>> beispiel
B >> ... für was/wie/warum-fragen
>> beispiel




1. Das Legesystem

Der Name dieses Legesystems, "Reihe", beschreibt auch seine Form. Mehrere Karten werden in einer Reihe ausgelegt. Oft sind es drei Karten ("Dreierreihe", "Dreierlegung") oder fünf Karten ("Fünferreihe", "Fünferlegung"). Zum Beispiel:


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2. Wann Reihen geeignet sind

Reihen können für nahezu alle Anliegen benutzt werden. In den folgenden Situationen empfehle ich sie allerdings besonders:

Sie sind AnfängerIn, aber bereits mit den Kartenbedeutungen und der Kombinationsmethode vertraut.
Sie haben ein Anliegen, das ein Thema betrifft.
Sie wünschen sich eine sehr klare, fokussierte Antwort.
Sie haben eine Was/wie/warum-Frage.
Ihre Frage betrifft chronologisch aufeinanderfolgende Phasen (z.B. eines Prozesses)

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3. Wie Reihen funktionieren

Abhängig von der Art meiner Frage repräsentieren die Positionen in meinen Reihen verschiedene Dinge für mich. Und abhängig von der Frage kombiniere ich manche Kartenpaare, andere nicht. Deshalb sind die folgenden Anleitungen nach Art der Frage aufgeteilt:

A - wie man chronologische Reihen liest, in denen die Karten mehrere chronologisch aufeinanderfolgende Phasen repräsentieren, also die Entwicklung eines Prozesses über die Zeit hinweg abbilden.
B - wie man Was/wie/warum-Reihen liest, in denen die Karten eine detaillierte Antwort auf Was/wie/warum-Fragen repräsentieren.

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A) Chronologische Reihen

Die folgenden Anleitungen werden Ihnen nützlich sein, wenn sich Ihre Frage um mehrere, chronologisch aufeinanderfolgende Phasen dreht. (Ist das nicht der Fall, gehen Sie weiter zu den Anleitungen für Was/wie/warum-Reihen.)


A.0 Anzahl der Karten

Eine chronologische Reihe kann beliebig viele Karten haben. Aber je kürzer die Reihe ist, desto weniger Phasen kann sie aufzeigen. Wenn Sie mit der Kombinationsmethode arbeiten, zeigt zum Beispiel eine Dreierreihe nur zwei Phasen des Prozesses auf, nach dem Sie gefragt haben. Je länger die Reihe, desto mehr Phasen zeigt sie auf - aber desto verwaschener, nichtssagender wird ihre Aussage. Deshalb benutze ich für chronologische Reihen fast immer 5 Karten. Als AnfängerIn empfehle ich Ihnen, mir zunächst darin zu folgen. Aber die Techniken, die ich in den folgenden Absätzen beschreibe, funktionieren auch für kürzere oder längere Reihen.


A.1 Bedeutung der Positionen

In chronologischen Reihen repräsentieren die Karten zur Linken frühere Phasen, die Karten in der Mitte die mittleren Phasen und die Karten rechts die späteren Phasen. Diese "Phasen" können aufeinanderfolgende Stadien eines Prozesses sein (z.B. von einem Projekt), aber sie können auch für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen. In letzterem Fall wollen Sie Ihre Reihe vielleicht in drei Teile teilen. Wenn jeder Teil gleich lang sein soll, können Sie Ihre Reihe auf 6 Karten erweitern - aber es muss nicht jede Zeitphase die gleiche Länge haben. Die Zeitphasen, die sie mehr interessieren, können länger sein als die von weniger Interesse.


A.2 Die Reihe lesen - Kartenkombinationen

Wenn Sie Ihre Reihe vor sich angeordnet haben, können Sie beginnen, sie zu lesen. Da die Karten zur Linken die früheren Stadien repräsentieren, ist es sinnvoll, ganz links zu beginnen und fortlaufend nach rechts zu kombinieren. Das können Sie auf folgende Arten tun:

a) Gar nicht: Wenn Sie AnfängerIn sind und gerade erst dabei, die individuellen Kartenbedeutungen zu lernen, ist es wahrscheinlich besser, aus Ihrer Fünferreihe doch eine Dreierreihe zu machen und noch keine Karten miteinander zu kombinieren. Stattdessen interpretieren Sie jede einzelne Karte für sich als eine Phase des Prozesses, nach dem Sie gefragt haben - siehe >> Singles.

b) Jede Karte nur einmal kombinieren: Hier kombiniert man Karte 1+2, und 3+4. Beide Paare repräsentieren je eine Phase des Prozesses. Weil wir mit einer ungeraden Anzahl an Karten arbeiten, 5, bleibt die letzte Karte alleine übrig. Sie muss daher für sich alleine interpretiert werden (siehe >> Singles). Das verleiht ihr fast automatisch eine gewisse Bedeutungsschwere.

c) Jede Karte mit allen Nachbarkarten kombinieren: Hier kombiniert man Karte 1+2, 2+3, 3+4, und 4+5. Wieder repräsentiert jedes Paar eine Phase des Prozesses, nach dem man gefragt hat. Im Vergleich zu der Methode oben zeigt die Reihe nun einige Phasen mehr auf, und es gibt keine Karte, die für sich alleine bleibt. Weil wir aber die meisten Karten mehrmals für Kombinationen benutzen, tauchen ähnliche Thematiken automatisch wiederholt auf. Manchmal ist das sehr nützlich für die Gesamtinterpretation. Es kann sie aber auch repetitiv erscheinen lassen.



A.3 Die Reihe lesen: Spezielle Positionen

Nach der systematischen Interpretation der Reihe (Phase um Phase, von links nach rechts), kann man die Interpretation erweitern, oder spezifizieren, indem man manchen Karten spezielle Bedeutung zuweist. Für mich als besonders nützlich hat es sich herausgestellt, die Gipfelkarte zu interpretieren und einen Drehpunkt zu bestimmen.

a) Der Gipfel: Oben habe ich bereits erwähnt, dass die letzte Karte der Reihe, wenn man sie für sich alleine deutet, fast automatisch eine gewisse Bedeutungsschwere erhält. In anderen Worten: Sie wird dann fast automatisch zum (potentiellen oder tatsächlichen) Höhepunkt des Prozesses, nach dem man gefragt hat. Die letzte Karten für sich alleine zu deuten kann man nicht nur dann tun, wenn man jede Karte nur einmal mit einer anderen kombiniert und die letzte Karte daher alleine übrig bleibt. Man kann es auch dann tun, wenn man jede Karte mit allen ihren Nachbarinnen kombiniert, wenn man daher auch die letzte Karte schon einmal in einer Kombination benutzt hat. Dann nimmt man sie einfach noch einmal für sich alleine und deutet sie, für sich alleine, als die Gipfelkarte.

a) Der Drehpunkt: Eine Karte kann den räumlichen "Drehpunkt" einer Reihe bilden in dem Sinn, dass sie in der Mitte der Reihe liegt; genau zwischen den früheren und den späteren Phasen des Prozesses, nach dem man gefragt hat. Aber oft gibt es auch einen inhaltlichen Drehpunkt in einer Reihe: die Karte, deren Thematik für alle Phasen des Prozesses relevant ist, nicht nur für diejenige Phase, in der sie liegt. Nur der inhaltliche Drehpunkt ist für unsere Interpretationen interessant, aber er kann mit dem räumlichen Drehpunkt zusammenfallen!
Denn eine Art, den Drehpunkt zu bestimmen ist, die Karte in der Mitte der Reihe im Vorhinein auch als inhaltlichen Drehpunkt festzulegen, und dann post-hoc Gründe dafür zu finden, die das rechtfertigen. Diese Herangehensweise ist natürlich etwas erzwungen. Aber weil sie gewisse Vorurteile ausschaltet, kann sie trotzdem zu sehr erstaunlichen Einsichten führen.
Die andere Art, den Drehpunkt zu bestimmen ist durch interpretative Deduktion. Man schließt aus der Tatsache, dass eine bestimmte Karte während der Interpretation der Reihe besonders hervorstach, dass es sich bei dieser Karte um den Drehpunkt handelt. Oft fällt diese Karte tatsächlich mit der mittleren Karte oder auch dem Gipfel zusammen. Aber es kann sich dabei um jede beliebige Karte handeln, sogar um die Karte ganz links.
Ich kann keine definitive Aussage darüber machen, welche Art der Drehpunktbestimmung generell "besser" ist. Aber meist funktioniert es für mich gut, zuerst zu sehen, ob es eine Karte gibt, die sich durch besonderes Hervorstechen in der Interpretation als Drehpunkt anbietet. Wenn nicht, versuche ich es mit der Karte in der Mitte. Manchmal aber gibt es ganz einfach keinen Drehpunkt. Manchmal sind alle Phasen eines Prozesses, alle in der Reihe auftauchenden Einzelthematiken, gleich relevant. In solchen Fällen ist es nicht sinnvoll, einen künstlichen Drehpunkt zu erzwingen.

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A.4 Beispiellegung einer chronologische Reihe

Frage: "Was ist die potentielle zukünftige Entwicklung meiner romantischen Beziehung mit X?"

Kontext: Die Beziehung der Fragestellerin verlief bisher außerordentlich harmonisch. Im Augenblick gibt es keinerlei größere Konflikte, und frühere Konflikte konnten allesamt erfolgreich, auf respektvolle Weise und zu beidseitiger Zufriedenheit gelöst werden. Deshalb frage ich die Fragestellerin, warum sie überhaupt meint, dass sie die Hilfe der Karten braucht. Die Fragestellerin erklärt, dass sie potentielle Hürden in der Zukunft der Beziehung identifizieren möchte, um sich darauf vorzubereiten, damit sie auch weiterhin in ihrer Beziehung glücklich sein kann.

Gezogene Karten: Baum, Storch, Sense, Wege, Fische

Benutzte Techniken: Ich kombiniere jede Karte mit allen Nachbarkarten und interpretiere die letzte Karte noch einmal für sich alleine, als Gipfel. Als Abschluss bespreche ich den potentiellen Drehpunkt mit der Fragestellerin.

Interpretation der Phasen:

Phase 1 (Baum+Storch): Wahrscheinlich wird sich zunächst nicht schnell etwas ändern. Die Karten weisen eher auf eine sehr langsame Veränderung, eine langsame Transformation der Natur der Beziehung hin. Da Baum+Storch die früheste Phase repräsentiert, kann es sein, dass dieser langsame Veränderungsprozess bereits stattfindet.

Phase 2 (Storch+Sense): Nach einer Weile wird das Verlangen wachsen, endlich klare Sache zu machen, etwas in Angriff zu nehmen - bzw. wird der langsame, natürliche Transformationsprozess von Phase 1 sehr plötzlich sein Ende erreichen oder sogar vorzeitig abgeschnitten werden.

Phase 3 (Sense+Wege): Unmittelbar auf Phase 2 folgt ein sehr schnelles, effektives Schlussmachen mit Ambivalenzen, mit auf-der-Stelle-treten. Etwas anders ausgedrückt: durch ein effektives, gründliches Abschneiden von bisher offenen Optionen wird eine sehr definitive Richtungsentscheidung fallen. Weil die Beziehung bisher so positiv verlief, erscheint es zwar unwahrscheinlich, aber ich erwähne trotzdem, dass diese Kartenkombination auch für das Gehen von getrennten Wegen stehen könnte, also für ein Ende der Beziehung.

Phase 4 (Wege+Fische): Auf die definitive Richtungsentscheidung von Phase 3 wird eine Phase der Überlegungen folgen, eine Phase vieler neuer Wahlmöglichkeiten. Denn natürlich öffnet jede endgültige Entscheidung für eine Option wiederum die Tür zu ganz neuen Pfaden, neuen Möglichkeiten.

Gipfel und Drehpunkt:

Der Gipfel: Interessanterweise kann sich die Fragestellerin nicht für die Fische als potentiellen Höhepunkt erwärmen. Zwar sagt sie, sie habe große Sehnsucht nach Erfüllung, nach (nicht materiellem) Reichtum und Gewinn. Gleichzeitig besteht sie jedoch darauf, dass diese Wörter "einfach nicht zur Beziehung passen!". Aber auch die negativen Schlüsselwörter, die ich ihr anbiete (z.B. "Quantität vor Qualität", "Gier" etc.) scheinen ihr nichts zu sagen.

Der Drehpunkt: Um den Drehpunkt zu ermitteln, frage ich die Fragestellerin, ob eine bestimmte Karte für sie besonders herausstach, besondere Bedeutung für sie zu haben schien. Sie erwidert sofort, dass sie, als sie die Sense sah, selbst die Assoziation "Beziehungsende" hatte, noch bevor ich darauf hinwies, dass diese Interpretation möglich sei. Die Fragestellerin sagt auch, dass sie daraufhin zwei sehr widersprüchliche Dinge fühlte: Angst und Erleichterung. Nach längerem Schweigen fährt sie fort, dass sie zwar ursprünglich dachte, sie wolle von den Karten hören, dass die Beziehung weiterhin wachsen und gedeihen werde. Als ihr aber die Fische genau das zu geben schienen, fühlte sie keine Freude, sondern emotionalen Druck - und den Wunsch, diesem zu entkommen. Vielleicht, sagt die Fragestellerin, sei es ihr irgendwie bereits bewusst gewesen, dass die Beziehung scheitern werde. Etwas, sagt sie, fehle und habe immer gefehlt. Und tief im Inneren wisse sie auch, dass sie es nie von ihrem Partner bekommen würde. Mit diesen neuen Informationen wird mir klarer, was Phase 4 und die Fische als Gipfel möglicherweise aussagen. Denn wenn Phase 3 tatsächlich das unvermeidbare Ende der Beziehung repräsentiert, dann öffnet das sehr definitiv die Vielzahl an neuen Optionen und Wahlmöglichkeiten, die Phase 4 in Aussicht zu stellen scheint. Und die Fische als Gipfel sagen aus, dass es erst das Ende der Beziehung, die sie nie erfüllte, der Fragestellerin ermöglichen wird, Erfüllung dort zu suchen, wo sie wirklich die Chance hat, sie zu finden. Wir schließen beide, dass in diesem Sinn sich die ganze Legung um die Sense dreht. Die innere Natur der Beziehung - respekt- und liebevoll aber an etwas sehr essentiellem mangelnd - wird unvermeidlich zu ihrem Ende führen. Und auch wenn dieses Ende zunächst sicher schmerzhaft ist, wird es erst dieses Ende der Fragestellerin ermöglichen, dorthin zu gehen, wo sie Erfüllung wirklich finden kann.

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B. Was/wie/warum-Reihen

Die folgenden Anleitungen werden Ihnen dienlich sein, wenn sie eine fokussierte, detailliert Antwort auf eine Was/wie/warum-Frage wünschen. (Wenn Sie wollen, dass Ihre Reihe mehrere chronologisch aufeinanderfolgende Phasen repräsentiert, müssen Sie sie als chronologische Reihe lesen!)


B.0 Anzahl der Karten

Kürzere Reihen liefern prägnantere, eindeutigere Aussagen, können aber relativ wenige Facetten eines Themas beleuchten. Längere Reihen beleuchten mehr Facetten, sind oft aber auch unpräzise; schwieriger (und langwieriger) zu interpretieren. Wenn mein Anliegen dringend aber einfach ist, ziehe ich daher 3 Karten; ist mein Anliegen komplexer, ziehe ich 5. Die Techniken, die ich in den folgenden Absätzen beschreibe, funktionieren daher gut für Dreier- und Fünferreihen. Wenn Sie an längeren Reihen oder Reihen mit einer geraden Kartenanzahl interessiert sind, müssen Sie die Techniken abwandeln oder sich anderswo nach Anleitungen umsehen.


B.1 Bedeutung der Positionen

Ich lese Was/wie/warum-Reihen von der Mitte - von innen - nach außen. Ich tue das deshalb, weil die mittlere Karte für mich die Kernaussage der Reihe repräsentiert. Die umgebenden Karten lese ich im Licht dieser Kernaussage; als die Facetten, die Umschreibungen, der Kernaussage.


B.2 Die Reihe interpretieren - Kartenkombinationen

Wenn Sie Ihre Reihe ausgelegt haben, können Sie damit beginnen, sie zu lesen. Ich tue das gewöhnlich in der folgenden Reihenfolge und mit Hilfe der folgenden Techniken:

1. Der Kern: Zu Beginn interpretiere ich die Karte in der Mitte der Reihe als Kernaussage, als Kernantwort - siehe >> Singles. Damit legt die mittlere Karte auch die "Färbung", die Stimmung, der Legung im Gesamten fest.

kern

kern


2. Die Modifizierer: Um die Kernaussage einzugrenzen, spezifischer zu machen, kombiniere ich dann die mittlere Karte mit ihren beiden unmittelbaren Nachbarkarten, links und rechts. Dabei behalte ich die Kernkarte als das Thema beider Kombinationen und benutze beide Nachbarkarten als Modifiziererinnen. Das bedeutet, dass ich bei einer der beiden Kombinationen die "linke Karte ist Thema, rechte Karte modifiziert" Regel verletze.

mod.a) thema
mod.b)

mod.a) thema
mod.b)


Nachdem ich die Kernkarte für sich selbst interpretiert und sie dann durch ihre Nachbarkarten etwas genauer eingegrenzt habe, wende ich gerne noch zwei weitere Techniken an, um die Interpretation meiner Reihe zu vertiefen - die erste Technik funktioniert allerdings nur bei Fünferlegungen!

3. Die Fundamente: Hierzu kombiniere ich die beiden Karten links der Mitte miteinander, sowie die beiden Karten rechts der Mitte, und interpretiere beide Kombinationen als "Fundamente" des Kerns. Sie sagen mir, warum der Kern eine so relevante Antwort auf mein Anliegen ist; sie sagen mir, was dahintersteckt. Wieder kombiniere ich bei beiden Kombinationen von innen nach außen und verstoße damit bei einer der beiden Kombinationen gegen die "linke Karte ist Thema, rechte Karte modifiziert" Regel.

fund.a)

fund.b)



4. Die Kreise: Stellen Sie sich vor, dass Sie einen Stein in einen Teich werfen. Die mittlere Karte, der Kern, ist der Stein. Die Karten links und rechts sind die kreisförmigen Wellen, die das Auftreffen des Steins im Wasser verursacht. Die inneren beiden Karten einer Fünferreihe bilden den innersten Kreis, der dem Stein am nächsten ist, die beiden äußersten Karten bilden den äußersten Kreis. Demgemäß kombiniere ich gerne die beiden Karten unmittelbar neben dem Kern und dann die beiden äußersten Karten (wenn ich eine Fünferreihe gelegt habe).*) Beide Kombinationen deute ich jeweils als positive oder negative Konsequenz, als positive oder negative Motivation, das "um zu" für die Kernkarte. Weil die Wellen, die der Einschlag eines Steins verursacht, kreisförmig sind, verwende ich mal die eine, mal die andere Karte in den Kombinationen als Thema (manchmal sogar beides), je nachdem, welche Reihenfolge mir die schlüssigeren Aussagen liefert.

äußerer
kreis
innerer
kreis
( (()) ) innerer
kreis
äußerer
kreis

kreis ( (()) ) kreis


5. Schluss: Als Abschluss meiner Interpretation fasse ich gerne die wichtigsten Themen zusammen, die die Interpretation aufbrachte. Danach komme ich noch einmal auf den Kern zurück und überlege, welche konkreten Ratschläge bzw. Handlungsschritte diese Karte vorschlägt.

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B.4 Beispiellegung einer Was/wie/warum-Reihe


Frage: "Was könnte ich tun, um in meiner romantischen Beziehung mit X wieder zufriedener zu sein?"

Kontext: Beinahe drei Jahre lang war der Fragesteller außerordentlich zufrieden in seiner Beziehung. Aber in den letzten zwei Jahren fühlte er sich zunehmend unzufrieden. Er kann jedoch nicht genau ausdrücken, was seine Unzufriedenheit auslöst; da ist kein spezifischer Konflikt, der seiner Meinung nach die Wurzel der Unzufriedenheit darstellen könnte. Deshalb möchte er, dass ihm die Karten diesbezüglich Inspiration schenken.

Gezogene Karten: Baum, Storch, Sense, Wege, Fische

Benutzte Techniken: Ich interpretiere die mittlere Karte als Kernantwort, für sich alleine. Danach beleuchte ich sie genauer, indem ich sie durch ihre unmittelbaren Nachbarkarten modifiziere. Zusätzlich interpretiere ich die beiden Karten links sowie rechts der Mitte als das, was hinter dem Kern steckt, und die Karten im inneren sowie im äußeren Kreis als das "um zu", als die Konsequenzen, des Kerns. Abschließend fasse ich die wichtigsten Punkte der Interpretation zusammen und komme noch einmal auf den Kern zurück, um konkrete Handlungsschritte zu besprechen.

Interpretation:

1. Der Kern (Sense): Die Sense als Kernantwort ist hier mehrdeutig. Ich erwähne, dass die Sense möglicherweise darauf hinweisen könnte, dass er in seiner Beziehung ganz einfach keine Zufriedenheit finden kann; dass er die Beziehung beenden müsste, um Zufriedenheit anderswo zu suchen. Andererseits könnte die Sense für etwas weitaus weniger Dramatisches, vielleicht aber Mühsameres, stehen: Sie könnte sagen, dass die Beziehung, so wie sie sich in den letzten beiden Jahren entwickelt hat, zu "unaufgeräumt" ist, zu voll mit nie beseitigten Altlasten, mit nicht getroffenen Entscheidungen, als dass sich der Fragesteller darin wohlfühlen könnte. Um wieder Zufriedenheit zu finden, sagt die Sense in diesem Sinn vielleicht, müsste der Fragesteller endlich Ordnung in der Beziehung schaffen, z.B. bisher aufgeschobene Dinge endlich in Angriff nehmen, hinausgezögerte Entscheidungen treffen, diejenigen Teilaspekte der Beziehung endlich beenden, die der Beziehung einfach nicht mehr entsprechen, kurz: reinen Tisch machen. Nur dann wäre es ihm möglich, die Beziehung tatsächlich klar zu sehen; zu sehen, wo die Unzufriedenheit überhaupt herkommt - und ob sie permanent ist oder aufgelöst werden kann.

2. Die Modifizierer (Sense+Storch und Sense+Wege): Etwas, das der Fragesteller ganz besonders in Angriff nehmen sollte, ist, den letzten Schritt eines langen Transformationsprozesses endlich zu tun. Oder, von einer etwas anderen Perspektive: Vielleicht muss der Fragesteller endlich damit aufhören, immer wieder das gleiche zu tun in der Hoffnung, dass es andere Ergebnisse bringt; einen Teufelskreis durchbrechen (Sense+Storch). Und der Fragesteller muss damit aufhören, sich alle Türen offenzuhalten, Wasser zu treten. Er sollte sich endlich für eine Richtung entscheiden (Sense+Wege).

3. Die Fundamente (Storch+Baum, Wege+Fische): Ein wesentlicher Grund dafür, warum "Reinemachen", "Altlasten beseitigen", so wesentlich für die Zufriedenheit des Fragestellers ist, ist, weil sich die Natur der Beziehung in den letzten Jahren langsam gewandelt hat (Storch+Baum). Was zu Beginn der Beziehung gut und passend war, ist in ihrem derzeitigen Entwicklungsstadium nicht mehr gesund, nicht mehr förderlich. Aber noch immer verhält sich der Fragesteller so, als ob diese Transformation nicht stattgefunden hätte; noch immer lebt er Teile der Beziehung so, wie sie schon lange nicht mehr sind.
Ein anderer Grund, warum "Reinemachen", "Entrümpeln" so wichtig ist, ist, dass zu viele Optionen in den letzten Jahren offengelassen wurden, zu viele für die Beziehung relevante Entscheidungen aufgeschoben und dann nie getroffen wurden (Wege+Fische). Der Fragesteller und sein Partner trafen nie eine, gemeinsame Entscheidung füreinander. Die vielen offengelassenen Optionen verhindern nun, dass sie das Gefühl haben, an einem Strang zu ziehen; es gibt keinen als gemeinsam definierten Strang, an dem sie ziehen könnten, nur sehr viele einzelne, nicht zusammenhängende Stränge, die in zu viele verschiedene Richtungen führen.

4. Die Wellen (Storch-Wege, Fische-Baum): Der Fragesteller muss seine Beziehung entrümpeln, unproduktive Aspekte davon beenden, um frei zu werden, dem einen Weg zu folgen, der ihm auch wirklich entspricht, der seiner eigenen, inneren Natur entspricht (Storch+Wege). Der Fragesteller muss endlich obsolete Teile seiner Beziehung entfernen, muss reinen Tisch machen, Entscheidungen endlich treffen, damit er wieder persönlich in vollem Ausmaß wachsen und gedeihen kann.

Schluss: Der Fragesteller fasst die für ihn wichtigsten Punkte der Interpretation dahingehend zusammen, dass es ganz wesentlich das Fehlen von gemeinsamen Zielen, das nicht-zusammen-in-eine-Richtung-Gehen ist, das ihn in seiner Beziehung so unzufrieden macht. Zwar wohnt er sogar seit mehreren Jahren mit seinem Partner zusammen, aber dennoch fühlt es sich immer noch an, als lebten sie eigentlich zwei getrennte Leben, nebeneinander. Wichtige Entscheidungen - ob und wie sie zum Beispiel eine Familie gründen könnten - wurden aufgeschoben. Und beide Partner spielen immer wieder damit, Jobangebote anzunehmen, die sie ins Ausland führen würden. Zwar machten beide bisher nie ernst damit, aber weil sie es auch nie ausschlossen, schwebte dennoch immer ein großes Fragezeichen über der Zukunft der Beziehung.
An diesem Punkt bitte ich den Fragesteller, noch einmal auf den Kern der Interpretation, die Sense, zurückzukommen, und zu sehen, ob er aus ihr einen Ratschlag für konkrete erste Handlungsschritte ableiten kann. Der Fragesteller sagt sofort, dass die Sense ihm rasches Handeln nahezulegen scheint. Die Sense sagt ihm: Handle schnell, zögere es nicht weiter hinaus - sonst ist deine Unzufriedenheit auf jeden Fall bald so stark, dass die Beziehung gar nicht mehr gerettet werden kann! Noch, fügt der Fragesteller hinzu habe er nämlich das Gefühl, dass eine Abrechnung mit dem Alten, ein Ablegen von Obsoletem, noch zu einer gesunden Neudefinierung der Beziehung führen könnte. Er meint, ein möglicher konkreter erster Schritt wäre, die Ergebnisse dieser Kartenlegung mit seinem Partner zu besprechen und herauszufinden, wie dieser zu den wichtigsten Punkten steht.

^ inhaltsverzeichnis









*) Dies ist eine sehr beliebte Technik, die traditionell spiegeln heißt und besonders gerne auf Große Tafeln angewendet wird!










 



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