GROSSE TAFELN & die häuser-methode

Bitte beachten Sie, dass ich hier nur eine mögliche Herangehensweise an große Tafeln beschreibe: die Häuser-Methode, angepasst an meine eigenen Bedürfnisse. Es gibt noch viele andere (und traditionellere) Herangehensweisen an dieses Legesystem.



Inhaltsverzeichnis

1 Das Legesystem

2 Wann Grand Tableaus und die Häuser-Methode geeignet sind

3 Wie die Häuser-Methode funktioniert
3.1 Was sind Häuser?
3.2 Was bedeuten sie?

4 Das Grand Tableau anhand der Häuser interpretieren
a) ... als Überblick über die momentane Lebenssituation
b) ... als Antworten auf mehrere Fragen
c) ... als mehrere Facetten eines Anliegens

5 Beispiellegungen
a) ... für einen Überblick über die momentane Lebenssituation
b) ... für Antworten auf mehrere Fragen
c) ... für mehrere Facetten eines Anliegens



1. Das Legesystem

Für Große Tafeln werden alle 36 Karten eines konventionellen Decks ausgelegt, meist zu 4x9 Karten oder 4x8+4 Karten. Arbeiten Sie mit meinem Deck, können Sie alle oder einen Teil der zusätzlichen vier Karten auch auslegen. So erhalten Sie eine Tafel mit 4x10 bzw. 5x8 Karten oder z.B. eine Tafel mit 4x8+6 Karten. Hier als Beispiel die Muster, die ich selbst für 36 bzw. 38 Karten vorziehe:

9x4 (für 36 Karten)

8x4+6 (für 38 Karten)


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2. Wann Große Tafeln und die Häuser-Methode geeignet sind

Sie haben keine bestimmte Frage, sondern wollen einen Überblick über Ihre momentane Lebenssituation, über wichtige Lebensbereiche.
Sie wünschen in einer einzigen Legung Antworten auf mehrere Fragen.
Sie wollen mehrere Facetten eines Anliegens beleuchten.

Hinweis: Große Tafeln erscheinen beeindruckend, ganz einfach wegen der hohen Anzahl an Karten die man benutzt, und weil man sehr viele Techniken auf sie anwenden kann. Falls Sie eine klare, fokussierte Antwort auf eine dringende und einfache Frage wünschen, sind Singles oder Reihen allerdings meist die bessere Wahl.

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3. Wie die Häuser-Methode funktioniert

3.1 Was bzw. wo die Häuser sind ist intutiv einleuchtend. Stellen Sie sich vor, wie eine große Tafel aussehen würde, wenn die Karten in der Reihenfolge ihrer Nummerierung angeordnet wären. In der ersten Position läge der Reiter, denn der Reiter trägt die Nummer 1. An zweiter Stelle läge der Klee, denn der Klee trägt Nummer 2, an dritter das Schiff usw. Demgemäß ist die erste Position die Position, an der der Reiter "zuhause" ist - dort ist das Haus des Reiters. An der zweiten Position ist das Haus des Klees usw. In einem konventionellen Deck ist die letzte Position, Position 36, das Haus des Kreuzes. Wenn Sie mit meinem Deck und den zusätzlichen Karten arbeiten, macht dies auch zusätzliche Häuser nötig. Ich persönlich behalte die sinnliche Lilie in Position 30 und ordne der tugendhaften Lilie wegen ihrer inhaltlichen Nähe zum Kreuz Position 37 zu. Wenn ich mit beiden Paaren von Mann und Frau arbeite, weise ich dem zweiten davon Häuser 38 und 39 zu. Die Wildcard gebe ich immer in die letzte Position.

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3.2 Was die Häuser bedeuten ist relativ leicht festzulegen. Jedes Haus repräsentiert die Themen der Karte, die dort zuhause ist. Z.B. findet man im Haus des Reiters Neues, Veränderungen, die auf uns zukommen oder Dinge, die uns unter Druck setzen. Im Haus des Klees finden wir, was uns leicht fällt, Chancen, oder Dinge, die wir nicht ernst (genug) nehmen. Nun ist es natürlich so, dass die Karten, weil man sie vor dem Auslegen zur großen Tafel gemischt hat, nicht in der Reihenfolge ihrer Nummerierung zu liegen kommen. Die meisten Karten liegen nicht in ihren eigenen Häusern, sondern in denen anderer Karten. Und damit modifizieren bzw. spezifizieren sie, was in diesen Häusern vorgeht. Ein Beispiel.: Sagen wir, dass im Haus des Reiters die Peitsche liegt. Das könnte uns zum Beispiel sagen, dass das, was neu in unserem Leben ist, viel Konflikt mit sich bringt; dass eine Veränderung, die passiert ist oder bald passieren wird, zerstörerisches Potential hat; oder dass jemand uns sehr aggressiv begegnet.

Hinweis 1: Es gibt verschiedene Arten, die Häuser von Mann und Frau zu interpretieren. Ich lese sie normalerweise als die Prioritäten der Personen, die sie repräsentieren, als Charakterzüge, Gefühle oder Handlungsweisen, die momentan dominant oder besonders relevant sind. Ein Beispiel: Die Wolken im Haus der Frau könnten bedeuten, dass das, was ihr Denken und Fühlen derzeit dominiert, etwas ist, was sie vor anderen (oder sich selbst) verbirgt.
Hinweis 2: Liegt eine Karte zufällig doch in ihrem eigenen Haus (z.B. der Reiter im Haus des Reiters), kann man entweder ein Schlüsselwort dieser Karte mit einem anderen Schlüsselwort dieser Karte kombinieren (z.B. "Eine Veränderung" - Schlüsselwort 1 - "setzt uns unter Druck" - Schlüsselwort 2). Oder man sagt, dass die Thematiken, die dieses Haus repräsentiert, gerade sehr, sehr stark bzw. dominierend sind (z.B. "Es verändert sich gerade sehr viel in unserem Leben.").

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4. Die Große Tafel anhand der Häuser interpretieren

a) Für einen Überblick über die momentane Lebenssituation müssen Sie wissen, welche Häuser welche Lebensbereiche für Sie repräsentieren. Die Karten, die in diesen Häusern positioniert sind, sagen Ihnen, was in den korrespondierenden Lebensbereichen vor sich geht.
Ein paar der üblicheren Zuordnungen von Lebensbereichen zu Häusern erwähne ich weiter unten. Aber vergessen Sie nicht, dass verschiedene KartenlegerInnen die einzelnen Karten oft ganz unterschiedlich interpretieren und deshalb auch die Lebensbereiche mitunter unterschiedlichen Häusern zuordnen. So sollte das Fundament für Ihre Häuser auch Ihr Verständnis der Karten sein, selbst wenn sich damit Ihre Häuser von denen unterscheiden, die ich unten nenne. Und: Für einen Überblick über die momentane Lebenssituation ist es üblich, sich nicht alle Häuser anzusehen. Das wäre zwar möglich, würde die Interpretation aber extrem langatmig (und letztlich auch langweilig) machen. Meistens sucht man sich nur diejenigen Häuser heraus, die Lebensbereiche betreffen, die einem gerade am relevantesten erscheinen.
Häufig gewählte Häuser und Lebensbereiche sind: das Haus des Hauses (für unser Heim- bzw. Familienleben), das Haus des Herzens (für unser Liebesleben), das Haus der Fische oder des Ankers (für unser Arbeitsleben) und das Haus des Baumes (für unseren Körper). Aber andere Häuser könnten ebenso wichtig sein oder noch wichtiger! Wenn Sie zum Beispiel eine Studentin sind, dann wollen Sie sich wahrscheinlich das Haus des Buches ansehen (für Ihr Studium). Wenn Sie sich Ihre Karriere genauer ansehen wollen, können Sie sich das Haus der Schlange heraussuchen. Als kunstschaffende Person bietet sich das Haus der sinnlichen Lilie an, und wenn Sie an ihrem emotionalen Leben interessiert sind, das Haus des Mondes.

Variation: Eine "umgekehrte" Suche kann überaus überraschende Einsichten bringen. Bei dieser Methode beginnt man nicht mit den Häusern und den Lebensbereichen, die sie repräsentieren, sondern mit einem bestimmten Thema, und dann geht man auf die Suche, in welchem Haus/Lebensbereich dieses Thema zu finden ist. Man fragt z.B.: "Wo in meinem Leben ist Konflikt zu finden?" und schaut dann, in welchem Haus die Peitsche liegt. In diesem Lebensbereich gibt es einen Konflikt. Oder man fragt: "In welchem Bereich meines Lebens sollte ich dringend Ordnung schaffen?" und sucht nach dem Haus, in dem die Vögel liegen.

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b) Für Antworten auf mehrere Fragenwählen Sie die Häuser, die die Thematiken der Fragen repräsentieren. Die Karten, die in diesen Häusern liegen, geben Ihnen Antworten in der Form von Beschreibungen, Ratschlägen, oder Warnungen, je nachdem, wie die Frage formuliert war oder was am nützlichsten ist. Wenn Sie z.B. eine Frage zu einem guten Freund haben, werden Sie wahrscheinlich das Haus des Hundes wählen; betrifft die Frage Ihre Partnerin, das Haus der Dame. Betrifft eine andere Frage eine seltsame Sehnsucht, die Sie in letzter Zeit fühlen, können Sie sich das Haus des Storches ansehen. Und haben Sie Fragen über eine bevorstehende Reise oder Ihr Vorhaben, Ihre Wohnung neu einzurichten, dann sehen Sie sich das Haus des Schiffes und das Haus des Blumenstraußes an.
Stellen Sie im Laufe des Interpretierens fest, dass Sie zu einigen Fragen doch ausführlichere Antworten brauchen als die Häuser alleine sie Ihnen bieten, können Sie entweder zu diesen Fragen noch zusätzliche (und separate) Reihen legen. Oder Sie sehen sich Tipp 2 (unten) an.

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c) Für mehrere Facetten eines Anliegens wählen Sie Häuser, die die für Sie relevanten Facetten repräsentieren. Sagen wir z.B., Sie möchten sich die heftigen Konflikte, die Sie in letzter Zeit mit Ihren Eltern haben, genauer ansehen. Zuerst werden Sie sicher das Haus der Peitsche suchen (für die Konflikte selbst). Dann könnten Sie sich das Haus des Briefes vornehmen (für Ihre Kommunikation mit Ihren Eltern), das Haus der tugendhaften Lilie (für den moralischen Aspekt der Konflikte bzw. Ideen, wie Sie Frieden finden können), und das Haus der Wolken (ob bzw. welche Missverständnisse die Konflikte noch verstärken). Sie können sich auch das Haus des Bären ansehen (für Ihre Eltern als Einheit), oder die Häuser der zweiten Version von Herr und Dame (für Vater und Mutter als Individuen) sowie das Haus, das Sie selbst repräsentiert.

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Tip 1: Egal welche Frage Sie gestellt haben, können Sie sich das Haus der Wildcard ansehen für einen Blick auf den unbekannten Faktor bzw. auf etwas, das Sie bisher nicht beachtet hatten.

Tip 2: Es gibt noch viele weitere Techniken, mit denen Sie die Interpretation Ihrer Großen Tafeln erweitern bzw. anders gestalten können. Ich persönlich fühle mich mit den meisten von ihnen nicht wohl, weil sie (vom visuellen Standpunkt her) intuitiv keinen Sinn für mich ergeben. Daher beschreibe ich sie auch hier nicht. Aber Sie können Sie leicht online finden, z.B. unter "Rösseln", "Spiegeln".

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5. Beispiellegungen

1) Legebeispiel für einen Überblick über die momentane Lebenssituation

Anliegen und Kontext: Die Fragestellerin, A, ist Universitätsstudentin im letzten Studiensemester. Sie hat eine sehr enge Beziehung zu ihren Eltern, ist derzeit Singel und wohnt in einer sehr günstigen Einzimmerwohnung. Als ich sie frage, was sie sich von den Karten wünscht, sagt sie, dass sie gerne einen Überlick über ihr Leben haben möchte, weil sie sich in letzter Zeit verloren fühlt, unklar, und ein klares Bild davon brauchen könnte, wo sie momentan steht.

Die gezogenen Karten: A sagt, dass es abgesehen von ihren Eltern derzeit keine Person gibt, die in ihrem Leben besonders relevant für sie ist. Deshalb benutze ich für diese Legung alle klassischen Lenormandkarten und meine extra Lilie und die Wildcard, nicht aber das zweite Paar von Herr und Dame.

Verwendete Techniken: Interpretation der Häuser: Normalerweise, wenn eine Fragestellerin die Karten um einen Überblick über ihr Leben bittet, beginne ich gerne mit der Dame (mit dem Herrn, wenn der Fragesteller männnlich ist). Aber im konkreten Fall erwähnte A so explizit bereits ein ganz bestimmtes Merkmal ihrer momentanen Situation: dass sie sich verloren, unklar fühlt. Es ist augenscheinlich, dass sie das sehr beschäftigt und die Hauptmotivation für ihren Wunsch, sich die Karten legen zu lassen, darstellt. Deshalb beginne ich dieses Mal nicht mit dem Haus der Dame, sondern mit dem Haus der Wolken, weil die Wolken Unklarheiten und Gefühle von fehlender Orientierung repräsentieren und uns dieses Haus hoffentlich bereits wichtige Hinweise liefern kann, warum es A so geht.

Haus der Wolken: Hund. Der Hund im Haus der Wolken schlägt mir vor, dass die Gefühle von Orientierungslosigkeit und Unklarheit daher rühren könnten, dass A sich zu wenig Eigenwille zugesteht; dass sie anderen zu sehr erlaubt, ihr zu sagen, was sie tun soll; oder/und dass sie so sehr darum bemüht ist, die Erwartungen anderer zu erfüllen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse dafür zur Seite stellt, vor allem wenn sie denkt, dass sie anderen missfallen würden. Wenn es stimmt, dass A auch nur eines dieser drei Dinge über längeren Zeitrum getan hat, ist es kein Wunder, dass sie ihren Richtungssinn verloren hat. A stimmt dem zu, vor allem dem letzten der drei Vorschläge, und fügt hinzu, dass es hauptsächlich die Erwartungen ihrer Eltern sind, die sie zu erfüllen versucht.

Da sie nun selbst ihre Eltern erwähnt hat, frage ich, ob A sich die Beziehung zu ihren Eltern ein bisschen genauer ansehen möchte. Sie stimmt zu; und weil ihre Eltern eine sehr geschlossene Front für sie darstellen, suche ich mir das Haus des Bären als Repräsentanten für ihre Eltern als Einheit aus. Since she mentioned her parents I ask the querent if she would like to have a look at her relationship with them, and she says yes. Because her parent.

Haus des Bären: Schlüssel. Zuerst scheint mir der Schlüssel im Haus des Bären fehlplatziert. Aber als ich A die Schlüsselwörter zum Bären aufzähle, um herauszufinden, ob ihr eines davon einleuchtet, wählt sie sehr bestimmt und schnell "Befreiung" und "ungeschützt/unbewacht" aus. Sie sagt, dass allein der Gedanke, vom Einfluss ihrer Eltern befreit zu sein, ihr ein leichteres, unbeschwerteres Gefühl macht, und dass sie sich definitiv zu wenig gegen die teilweise sehr massiven Beeinflussungsversuche ihrer Eltern schützt.

Eine Weile überlegen wir, ob es klug wäre, die Legung an diesem Punkt zu beenden - die ersten beiden Häuser gaben A bereits einiges zu denken. Allerdings fragte sie zu Beginn nach einem Überblick über ihre Lebenssituation. Daher entscheiden wir uns, uns doch auch noch ein paar andere Häuser anzusehen.
Da ich normalerweise mit dem Haus der Dame begonnen hatte, und weil dieses Haus - sehr passend zu ihrem Anliegen! - die Prioritäten oder dominanten Einflüsse auf die Fragestellerin repräsentiert, machen wir dort weiter.

Haus der Dame: Reiter. Der Reiter im Haus der Dame ist interessant, weil er sehr vieldeutige Interpretationen erlaubt. Er könnte bedeuten, dass das Leben von A stark dominiert wird von einem Gefühl von Unterdrucksein (Ja, sagt A sofort, das stimme - und außerdem hatte das Haus des Bären dies bereits angedeutt). Aber weil A sich außerdem im letzten Studiensemester befindet, deutet der Reiter möglicherweise auch auf die großen Veränderungen hin, die auf A zukommen. A stellt fest, dass beide Interpretationen zutreffen, und dass sie auch miteinander verbunden sind. Denn sie fühlt sich nicht nur von ihren Eltern unter Druck gesetzt; sie fühlt sich auch unter Druck gesetzt von dem sich rapide nähernden Studienende und den vielen Entscheidungen, die sie deshalb eigentlich bald treffen sollte.

Diese Beobachtung führt mich zwei weiteren Häusern, die ich mir ohnehin noch ansehen wollte: zum Haus des Buches (das A's Studium repräsentiert) und zum Haus der Sense (das den Abschluss dieser Lebensphase repräsentiert).

Haus des Buches: Park. Den Park zu interpretieren fällt mir oft schwer; seine Bedeutungen erscheinen mir sehr technisch. Deshalb versuche ich keine sofortige Interpretation, sondern gebe A wieder die Schlüsselwörter dieser Karte wieder und frage sie, ob ihr eines davon in Bezug auf ihr Studium einleuchtet. Sie meint, dass "netzwerken" und "teamwerken" ihr einleuchten, so wie auch "große Gruppen" und "Öffentlichkeit", da sich praktisch ihr gesamtes Sozialleben im Universitätskontext abspielt, in großen Gruppen wie Seminaren, Studentencafes und Lerngruppen. Ein bisschen verschämt gesteht sie, dass sie auch weiß, dass das eines ihrer Probleme ist: dass sie gerade jetzt, da ihre Studienzeit bald enden wird, andere und vertraulichere Wege finden sollte, mit anderen Menschen Kontakt zu haben - auch außerhalb des Universitätskontextes. Interessanterweise sagte mir ein rascher Blick auf das Haus des Hauses (für A's Privatleben) schon als ich die Karten auslegte, dass A ihr Heim entweder bereits sehr willig anderen Menschen öffnet, oder dass sie das öfter tun sollte.)

Haus der Sense: Mäuse. Die Mäuse im Haus der Sense deuten stark darauf hin, dass der Studienabschluss für A nichts positives ist. A bestätigt das auch sofort und sagt, dass allein der Gedanke an das Ende ihres Studiums ihr Bauchschmerzen verursacht; der Studienabschluss fühle sich viel zu früh an. Ich schlage vor, dass das vielleicht ein weiterer Grund dafür ist, warum sie sich so verloren fühlt. Denn es ist schwer, für etwas arbeiten zu müssen (für den Studienabschluss), von dem man nicht möchte, dass es eintritt. Kein Wunder, dass A die Motivation fehlt.

An diesem Punkt der Legung schlage ich vor, dass wir uns keine weitere Lebensbereiche mehr ansehen. Ich habe den Eindruck, dass A bereits genug Denkanstöße erhalten hat, die sich ganz direkt auf ihr Anligen beziehen: auf ihre Gefühle von Unklarheit und Verlorensein. Stattdessen schlage ich vor, dass wir eine "umgekehrte" Suche machen und schauen, wo sich A wieder Motivation herholen könnte, wo sie Richtungssinn finden könnte. A ist mit diesem Vorschlag sehr zufrieden. Daher suche ich nach dem Haus, in dem die Schlange zu finden ist.

Schlange im Haus des Fuchses. Die Aussage dieser Kombination ist so eindeutig und simpel, dass es fast oberflächlich erscheint. A kann ihre Motivation, ihren Richtungssinn wiedergewinnen, wenn sie sich erlaubt, die Dinge zu tun, die sie tun möchte, wenn sie es anderen (insbesondere ihren Eltern) nicht mehr gestattet, ihre Entscheidungen zu lenken - auch wenn das den anderen nicht passt. A muss herausfinden, wass sie selbst eigentlich ernährt, was für sie selbst essentiell ist, unabhängig davon, was ihr Umfeld dazu zu sagen hat.

All das, sagt A, ist eigentlich offensichtlich. Aber so offensichtlich es ist, ist es nicht hilfreich, denn obwohl sie versteht, wie hilfreich das wäre, fühlt sie sich ganz einfach nicht fähig, ihren eigenen Weg zu gehen, ihren eigenen Willen durchzusetzen gegen die Vorstellungen und Wünsche anderer. Als letztes Haus sehen wir uns daher das Haus der Wildcard an. Vielleicht kann dieses Haus A auf etwas stoßen, das sie bisher einfach noch nicht bedacht hatte.

Haus der Wildcard: Tugendhafte Lilie. Die Tugendhafte Lilie im Haus der Wildcard schlägt vor, dass ein Faktor, der die gesagmte Situation beeinflusst, ohne dass es A bewusst ist, mit A's Moralvorstellungen zu tun hat. Daher schlage ich A vor, sich genau anzusehen, wie ihre moralischen Werte mit ihrem Mangel an Eigenwille zu tun haben und damit, warum sie sich so unter Druck setzen lässt. Als Beispiel: Vielleicht erlaubt A es sich nicht, eigensinnig ihren persönlichen Verlangen nachzugehen, weil sie ein solches Handeln ganz generell (sei es bewusst oder unbewusst) als moralisch falsch empfindet. Oder vielleicht fällt es ihr deshalb so schwer, weil sie den einen Weg, den sie am liebsten gerne gehen würde, als moralisch falsch bewertet hat. Möglicherweise würde es A gut tun, ihre Moralvorstellungen zu überdenken und dann auch langsam zu verändern.(Interessanterweise sagt die Peitsche im Haus der Tugendhaften Lilie - für A's Moralleben - dass dort viel Schuldgefühle und Scham zu finden sind. Und das scheint zu bestätigen, dass A's Moralvorstellungen ihr nichts Gutes tun.)

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