KARTENLEGEN - schritt für schritt

Hinweis: Bevor Sie das folgende Kapitel genau lesen, sehen Sie sich kurz das Inhaltsverzeichnis an! Es gibt Ihnen einen Überblick über die Reise, auf die Sie sich gleich machen werden - den Anfangspunkt, wichtige Zwischenetappen, und das (mittelfristige) Ziel.



Inhaltsverzeichnis

1. essentielle vorbereitende schritte
1.1 >> die bedeutungen der einzelnen karten
1.2 >> die kombinationsmethode
1.3 >> überblick über typische legesysteme

2. das kartenlegen
2.1 >> präzise frageformulierung
2.2 >> das passende legesystem
2.3 >> karten mischen, auswählen, umdrehen
2.4 >> die karten lesen - eine botschaft darin finden
2.4 >> abschließende überlegungen




1. Essentielle vorbereitende Schritte

Die folgenden ersten Schritte sind tatsächlich essentiell - sie sind die notwendige Grundlage für das eigentliche Kartenlegen. Sie auszulassen wäre, als wolle man die Mondscheinsonate auf dem Klavier spielen lernen, bevor man einfache Dreiklänge mit einer Hand gemeistert hat.


1.1 Der Aufbau/Inhalt des Lenormand Decks; die Bedeutung der einzelnen Karten

Der Aufbau bzw. Inhalt des Lenormand Decks , das Sie benutzen wollen, sollte Ihnen vertraut sein, bevor Sie mit dem Kartenlegen beginnen! Wenn Sie es noch nicht getan haben, lesen Sie zu diesem Zweck nun meine kurze Einführung in >> das klassische Lenormand Deck, und in die >> Eigenheiten des Anna.K Lenormand Decks (und wie Sie mit diesen umgehen können). Beachten Sie bitte auch meinen Hinweis, wie Sie >> an meine Karteninterpretationen herangehen sollten, je nachdem, ob Sie traditionalistisch gesinnt sind oder individualistisch wie ich selbst. Sie finden das vollständige Kapitel >> hier. Bitte lesen Sie es aufmerksam. Das wird Ihnen später viel Verwirrung ersparen.

Sind Sie einmal mit dem Aufbau Ihres Decks vertraut, können Sie beginnen, die Bedeutungen der einzelnen Karten zu lernen. Wenn Sie sich mit einer individualistischen Herangehensweise wohlfühlen, können Sie auf meiner >> Gesamtübersicht die einzelnen Karten für deren Bedeutungsbeschreibungen anklicken. Wenn Sie Ihre Legungen traditionell halten möchten, müssen Sie die Kartenbedeutungen von einer traditioneller gesinnten Quelle lernen, als ich es bin!
Im Grunde können Sie natürlich die Bedeutungen der Karten immer nachschlagen. Es ist also nicht nötig, die genauen Kartenbedeutungen auswendig zu wissen, bevor Sie das eigentliche Kartenlegen zu üben beginnen. Aber es ist definitiv wichtig, dass Sie mehr als nur eine vage Vorstellung der Bedeutungen parat haben. Und stellen Sie sicher, dass Ihnen die besondere Rolle bewusst ist, die der Herr und die Dame im Deck spielen!

WICHTIG!!! Wenn Sie meine eigenen Kartenbedeutungen nachschlagen, werden Ihnen eine hohe Anzahl an Schlüsselwörtern und sehr lange Interpretationen angeboten. Es ist nicht notwendig, sich alles davon zu merken! Als AnfängerIn empfehle ich Ihnen, sich jeweils zwei bis drei Nomen/Phrasen, Aktivitäten und Attribute auszusuchen - ganz einfach diejenigen, die Ihnen am meisten einleuchten. Es ist definitiv ausreichend, sich zunächst "nur" diese einzuprägen. Sollten Sie später einmal den Eindruck bekommen, dass es nützlich wäre, Ihr Repertoire zu erweitern, können Sie das jederzeit tun. Seien Sie sich aber bewusst, dass viele Kartenlegerinnen bei einer kleinen Auswahl an Stichwörtern bleiben und damit vollkommen zufrieden sind. Ich persönlich war es nicht - deshalb meine langen Interpretationen. Aber wie so vieles im Lenormand ist auch die Anzahl der Stichwörter, die verwendet werden, eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Lesestils.

^ inhaltsverzeichnis



1.2 Die Kombinationsmethode

Anders als beim Tarot werden im Lenormand die Karten üblicherweise nicht einzeln, nur für sich, gedeutet. Stattdessen werden meistens jeweils zwei Karten kombiniert, indem man ihre beiden Bedeutungen zu einer gemeinsamen verschmilzt. Natürlich können Sie das eigentliche Kartenlegen üben beginnen, bevor Sie die Kombinationsmethode perfekt beherrschen. Es ist in Ordnung, wenn Sie an bestimmten Kombinationen immer wieder einmal scheitern. Aber mit dem Prozess, mit der Methode an und für sich, sollten Sie sich wohl und vertraut fühlen! Meine persönliche, ausführliche Auseinandersetzung mit der Kombinationsmethode finden Sie in einem eigenen Kapitel, >> hier.

^ inhaltsverzeichnis



1.3 Überblick über mögliche Legesysteme

Bevor Sie Ihren ersten richtigen Leseversuch beginnen, sehen Sie sich die gebräuchlichsten Lenormand-Legesysteme gut an. Sie müssen sie noch nicht im Detail verstehen! Als AnfängerIn empfehle ich Ihnen, meine >> Einführung in Lenormand Legesysteme zu lesen, und sich dann vorerst auf Singles und Reihen zu beschränken. Erstere sind für Lenormand eigentlich unüblich aber sehr geeignet für totale AnfängerInnen. Letztere sind sehr häufig und für AnfängerInnen geeignet, die die individuellen Kartenbedeutungen bereits wissen und die Kombinationsmethode beherrschen.

^ inhaltsverzeichnis




2) Das Kartenlegen

Zusammenfassend: Sie kennen die Bedeutung der einzelnen Karten (mit ausreichender Sicherheit und Präzision). Sie fühlen sich vertraut und wohl mit der Kombinationsmethode. Sie wissen, welche typischen Legesysteme es gibt, und welche davon für Ihre ersten Leseversuche geeignet sind. Nun können Sie Ihren ersten Leseversuch wagen!


2.1 Präzise Frageformulierung

Es ist wichtig, dass Sie wissen, was Sie von den Karten wollen, bevor Sie mit dem Legen beginnen. Vage formulierte Anliegen führen zu verwirrenden oder nichtssagenden Legungen. Formulieren Sie daher Ihr Anliegen so präzise wie möglich. Wenn Sie AnfängerIn sind, versuchen Sie, simple, eng gefasste Fragen zu stellen - dann wird auch die Natur der Antworten sehr geradeheraus ausfallen. Zum Beispiel: "Warum ist X der Fall? - Darum!"; "Was ist X? Das!"; oder "Wie soll ich handeln? So!". Sie müssen Ihr Anliegen auch nicht unbedingt in Frageform bringen. Sie könnten auch sagen: "Ich brauche Rat!"; oder: "Ich stecke fest und brauche Inspiration!". Die Karten antworten dann "Hier ist der gewünschte Rat / die gewünschte Inspiration!".
Wenn Sie eine Weile geübt haben, simple, eng formulierte Anliegen zu behandeln, können Sie natürlich beginnen, weiter gefasste bzw. mehrdimensionale Anliegen zu formulieren. Sie könnten dann zum Beispiel sagen: "Ich brauche einen Überblick über alles das, was jetzt und in den kommenden Wochen für mich wichtig ist bzw. sein wird." In solchen Fällen liefern die Karten natürlich sehr komplexe Antworten, zum Beispiel: "Hier ist eine wichtige Angelegenheit. Und hier ist noch eine, die mit der ersten zusammenhängt. Und hier ist etwas, das davon unabhängig aber ebenso wichtig ist. Und hier ist eine Warnung!"

Hinweis zu ja/nein Antworten: Ich persönlich stelle keine Fragen an die Karten, die mit ja oder nein beantwortet werden müssen - und wenn eine Klientin dies möchte, bitte ich sie, umzufomulieren. So würde ich zum Beispiel nicht fragen "Soll ich X tun?" sondern "Was sind mögliche positive und negative Konsequenzen, wenn ich X tue?" Falls Sie selbst den Karten ja/nein Fragen stellen möchten, können Sie das natürlich tun. Es gibt traditionelle Regeln, wie man zu ja/nein Antworten kommt. Ich behandle diese allerdings auf meiner Website nicht.

^ inhaltsverzeichnis



2.2 Das passende Legesystem

Wenn Sie Ihr Anliegen formuliert haben, können Sie das passende Legesystem auswählen und entscheiden, welche Lesetechniken Sie anwenden wollen. Achten Sie dabei darauf, dass das Legesystem und die Techniken auch geeignet sind, Ihre Frage zu beantworten! Manche Legesysteme können sich nämlich beispielsweise nur auf ein Thema beziehen, liefern zu diesem jedoch viele Details oder Facetten. Andere Systeme können mehrere Fragen gleichzeitig behandeln, gehen aber jeweils nur wenig in die Tiefe. Manche Techniken zeigen mehrere, zeitlich aufeinanderfolgende Phasen eines Prozesses auf. Andere dagegen beleuchten verschiedene Aspekte einer einzigen, gegenwärtigen Situation - usw. Manchmal bringt eine Legung deshalb keine befriedigenden Resultate, weil Legesystem bzw. -techniken nicht mit der gestellten Frage zusammenpassen!

Hinweis: Es könnte sich durchaus auszahlen, sich nicht auf die klassischen Legesysteme zu versteifen. Denn wenn Sie eine sehr fokussierte Antwort auf eine dringliche Frage wünschen, kann es produktiver sein, gar kein Legesystem zu verwenden. Stattdessen zieht man einfach eine einzige Karte (oder eine einzige Kombination aus zwei Karten, wenn man näher an der Lenormand-Tradition bleiben möchte) und interpretiert diese einzelne Karte (oder dieses eine Kartenpaar) als sehr verdichtete, konzentrierte Antwort.

^ inhaltsverzeichnis



2.3 Mischen, ziehen, auslegen und umdrehen

Nachdem Sie Ihr Anliegen formuliert und ein passendes Legesystem ausgewählt haben, mischen Sie Ihr Kartendeck und ziehen Sie dann die benötigte Anzahl an Karten. Manche KartenlegerInnen breiten dazu die verdeckten Karten in einem Fächer vor sich aus und ziehen aus dem Fächer. Andere ziehen aus dem Stapel oder zählen die obersten oder untersten Karten ab. Tun Sie einfach das, womit Sie sich am wohlsten fühlen! Nachdem Sie die Karten gezogen haben, legen Sie sie dem Legesystem entsprechend aus. Sie können die Karten dabei einzeln jeweils sofort umdrehen, oder erst alle gemeinsam am Ende, wenn alle ausgelegt sind. Auch das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks!

^ inhaltsverzeichnis



2.4 Die Karten lesen - sie interpretieren, eine Botschaft darin finden

Sobald Sie die Karten ausgelegt und umgedreht haben, können Sie mit dem eigentliche "Lesen" der Karten beginnen. Nun ist es allerdings so, dass es, abgesehen von einigen wenigen allgemein gültigen Überlegungen, sehr stark von Ihrem Legesystem, der Fragestellung und den geplanten Lesetechniken abhängt, wie Sie dabei vorgehen. Nachdem Sie bis zum Ende dieses Unterkapitels gelesen haben, schlagen Sie daher bitte >> das Legesystem das Sie benutzen wollen nach. Dort folgen Sie den detaillierten Anleitungen!

Der Startpunkt: Zunächst stellen Sie fest, welche Karte den natürlichen Startpunkt Ihrer Legung bildet. Meist ist dies ziemlich offensichtlich - das Legesystem bzw. die die Frage, die Sie gestellt haben, legt oft sehr eindeutig den Startpunkt nahe. In manchen Legesystemen beginnt man beispielsweise ganz automatisch mit der Karte ganz links, oder der Karte in der Mitte, während man in anderen Legesystemen, oder bei Anwendung bestimmter Techniken, mit der Karte beginnt, die die Fragestellerin (oder das Thema der Frage) repräsentiert, egal wo diese Karte positioniert ist.

Die Kartenpositionen: Eine weitere wichtige Überlegung ist die Bedeutung der Kartenpositionen. Jede Karte (bzw. jedes Kartenpaar) wird im Lichte ihrer Position im Legesystem bzw. im Lichte ihrer Positionierung in Bezug auf andere Karten interpretiert. Zwei Beispiele: Abhängig von seiner Position im Legesystem repräsentiert ein Kartenpaar vielleicht eine Situation in der Vergangenheit, ein anderes eine Situation in der Gegenwart. Oder, abhängig von ihrer Positionierung in Bezug auf die Dame steht eine Karte für etwas, das die Fragestellerin selbst beeinflussen kann, eine andere Karte repräsentiert etwas, über das die Fragestellerin keine Kontrolle hat.

Die "richtige" Bedeutung einer Karte: Welche ihrer vielen potentiellen Bedeutungen in einer konkreten Legung die "richtige" Bedeutung einer Karte ist, müssen Sie selbst intuitiv erspüren lernen. Dafür gibt es keine allgemeingültige Regel oder Vorgehensweise. Sagen wir zum Beispiel, Sie haben den Fuchs gezogen. In vielen Kontexten ist das Schlüsselwort "Selbstsorge" am hilfreichsten. Aber in anderen ist es das Schlüsselwort "Egoismus", und in wieder andern ist vielleicht "Misstrauen" die stimmigste und produktivste Wahl. Die Fähigkeit zu entwickeln, die zutreffendste und hilfreichste Bedeutung aus den vielen potentiellen herauszupicken, benötigt Geduld und die Bereitschaft, vorgefertigte Meinungen und Vorurteile zumindest für die Dauer des Kartendeutens beiseite zu schieben. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie das zunächst sehr herausfordert; geben Sie nicht auf! Wenn ein und dieselbe Karte Sie in verschiedenen Legungen immer wieder scheitern lässt, lesen Sie noch einmal die angebotenen Schlüsselwörter nach. Vielleicht ist es ein Schlüsselwort, das Ihnen beim ersten Lesen unnütz erschien, das sich nun doch als höchst anwendbar und hilfreich herausstellt!

Wenn Sie feststecken: Wenn Sie mit einer bestimmten Karte (oder Kartenkombination) feststecken, gehen Sie einfach weiter und kommen Sie später wieder darauf zurück. Oft wird die Bedeutung einer Karte erst dann klar, wenn wir sie in Beziehung zu anderen, bereits gedeuteten Karten setzen können. Und manchmal brauchen wir mehrere Tage Distanz zu einer Legung und einen zweiten Versuch, um Inspiration zu finden.

^ inhaltsverzeichnis



2.5 Abschließende Überlegungen

Nachdem Sie Ihre Legung beendet haben, könnten Sie die Karten, die Sie gezogen haben, fotografieren - und vielleicht wollen Sie sich auch die wichtigsten Punkte Ihrer Interpretation notieren. Sie können aufschreiben, welche Punkte Ihnen offensichtlich erschienen, und wo Sie auf Schwierigkeiten oder Ungereimtheiten stießen. Manchmal ist es sehr hilfreich, sich eine Kartenlegung nach ein oder zwei Wochen noch einmal anzusehen. Oft lösen sich dann offen gebliebene Fragen auf. Und manchmal kann man erst bei einem zweiten Hinsehen auch unangenehme Hinweise akzeptieren, deren Wahrheit man sich beim ersten mal noch nicht eingestehen wollte.

^ inhaltsverzeichnis