MEINE PHILOSOPHIE



Inhaltsverzeichnis

1. zwei motivationen, die karten zu legen
1.a) >> um die zukunft zu "wissen"
1.b) >> um selbsterkenntnis zu gewinnen

2. zwei herangehensweisen ans kartenlegen
2.a) >> traditionalistisch
2.b) >> individualistisch

3. weitere überlegungen
3.a) >> respekt für die karten
3.b) >> ethische richtlinien



1. Zwei Motivationen, die Karten zu legen

1.a) Kartenlegen, um in die Zukunft zu sehen

Ursprünglich wurden Lenormandkarten wohl hauptsächlich gelegt, um einen Blick in die Zukunft zu werfen - und das ist heute noch die wahrscheinlich häufigste Motivation. Weil die traditionellen Bedeutungen der Lenormandkarten (mehr noch als Tarotkarten) sehr viel explizite Informationen enthalten, die man für klassische Wahrsagerei benötigt, können sie scheinbar erstaunlich präzise Aussagen machen - sogar zur Haarfarbe Ihres zukünftigen Liebsten, und über den Tag, an dem Sie ihn treffen sollen. Die Frage nach dem tatsächlichen Wahrheitsgehalt und der Zuverlässigkeit solcher Voraussagen ist natürlich damit nicht beantwortet.

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1.b) Kartenlegen, um Selbsterkenntnis zu gewinnen

Ich bin Skeptikerin. Nach allem, was ich über die Wirklichkeit weiß und verstehe, können Lenormandkarten nicht die Zukunft voraussagen. Aber selbst für eine Skeptikerin kann das Kartenlegen eine produktive Beschäftigung darstellen! Denn es gibt auch die psychologische Herangehensweise an das Kartenlegen. Hier werden die Karten als Archetypen bzw. als Symbole für typisch menschliche Situationen und Erfahrungen betrachtet. Sie sagen uns nicht, was in der Zukunft geschehen wird. Stattdessen helfen sie uns, unseren Tunnelblick zu durchbrechen. Sie helfen uns, uns unserer Motivationen klar zu werden, zu verstehen, warum wir uns in bestimmten Situationen befinden, und welche Schritte wir setzen könnten, um unser Leben zum besseren zu verändern. Wir befragen also nicht die Karten, um von ihnen gesagt zu bekommen, was wir tun sollen. Wir befragen sie, um neue Impulse zu erhalten, wie wir unser Leben selbstbestimmter, selbstverantwortlicher und produktiver gestalten können. Und ja, in einem Sinn können sich die Karten durchaus auf die Zukunft beziehen. Sie können uns helfen, zu verstehen, welche positiven und negativen Potentiale in einer gegenwärtigen Situation versteckt sind, und welche Schritte hilfreich sein könnten, diese Potential zur Entfaltung zu bringen bzw. ihre Entfaltung zu verhindern. Ob uns dies dann auch tatsächlich gelingt, ist allerdings nicht nur von unserem eigenen Handeln abhängig, sondern auch vom Handeln Anderer und weiteren Begleitumständen, auf die wir nur wenig oder gar keinen Einfluss haben.

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2. Zwei Herangehensweisen an das Kartenlegen

2.a) Die traditionalistische Herangehensweise

Viele Lenormandkartenlegerinnen haben eine traditionalistische Sichtweise aufs Kartenlegen. Sie folgen, einigermaßen strikt, einer von mehreren existierenden "Schulen" oder "Richtungen" des Kartenlegens. Ihrer Meinung nach gibt es eine richtige und viele falsche Arten, Lenormandkarten zu legen. Nur bestimmte Interpretationen sind korrekt, nur bestimmte Techniken dürfen angewendet werden. Alles, was von diesen abweicht muss notwendigerweise zu fehlerhaften oder sogar völlig falschen Ergebnissen führen - und/oder sollte nicht als "Lenormand" bezeichnet werden.

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2.b) Die individualistische Herangehensweise

Ich bin eine individualistische Kartenlegerin. Ich glaube nicht, dass es nur einen richtigen Weg gibt, Lenormandkarten zu legen. Ich glaube, dass "So wurde es ursprünglich gemacht" alleine kein guter Grund ist, weiterhin auf diese Weise zu verfahren. Meiner Ansicht nach ist das, was für ein Individuum funktioniert, was für ein Individuum produktiv ist, für dieses eine Individuum auch dessen richtiger Weg. Dementsprechend behalte ich traditionelle Deutungen und Methoden dann bei, wenn sie sich als hilfreich für mich herausgestellt haben. Aber ich verwerfe solche, die es nicht sind, und ich füge liebend gerne selbst entwickelte Eigenheiten sowie Inspirationen von anderen individualistischen Kartenlegerinnen hinzu. Was Sie also auf meiner Website finden, ist meine ganz eigene Herangehensweise an Lenormand: meine eigenen Deutungen der Karten, und die Legetechniken, wie sie meinen eigenen Bedürfnissen und Präferenzen entsprechen. Sie sind nicht als absolute, universal gültige Anleitungen gedacht! Wenn Sie wollen, können Sie sie vollständig übernehmen. Aber Sie können Sie auch an ihre eigenen Präferenzen anpassen - oder völlig verwerfen, wenn Sie sie gar nicht stimmig finden.

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3. Weitere Überlegungen

3.a) Respekt für die Karten - warum, und wie

Selbst wenn man nicht glaubt, dass Lenormandkarten etwas intrinsisch besonderes, heiliges an sich haben, zahlt es sich aus, sie mit einem gewissen Respekt zu behandeln. Denn man kann es mit ihrer Hilfe lernen, sich selbst sehr nahe zu kommen. Dazu muss man allerdings während des Kartenlegens den Fokus sehr beharrlich nach innen richten können. Und das ist einfacher, wenn man die Karten von Anfang an mit Respekt behandelt. Dieser Respekt kann sich ganz unterschiedlich äußern. Vielleicht wollen Sie die Karten zum Lesen auf einem schönen Tuch auslegen und sie danach auch darin einschlagen. Wenn Sie sich oder anderen Menschen die Karten legen, tun Sie das an einem Ort, an dem Sie sich wohlfühlen und wo Sie nicht abgelenkt werden. Wenn Sie wollen, können Sie auch eine zeremonielle Atmosphäre schaffen, zum Beispiel indem Sie eine Kerze anzünden. Für manche Menschen ist es hilfreich, vor dem Legen ein Mantra zu sprechen oder sich eine geliebte Melodie ins Gedächtnis zu rufen, um sich sehr viel schneller in einen entspannten, aber konzentrierten Zustand zu versetzen. Probieren Sie einfach aus, was sich für Sie authentisch anfühlt und die gewünschte Wirkung zeigt.

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3.b) Ethische Überlegungen

Ich lege gern die Karten - sowohl Lenormand als auch Tarot. Und ich benutze die Karten nicht ausschließlich für tiefschürfende Thematiken. Ich habe sie, aus Spaß, auch schon um die Lösung von Computerproblemen und Koch-Inspirationen gebeten. Und wenn man die Karten für klassische Wahrsagerei benutzen möchte, kann man das natürlich tun. Allerdings würde ich stark davon abraten, in diesem Rahmen Fragen zu behandeln, für die es eigentlich keine Antwort geben kann, oder die nur von ausgebildeten Fachkräften beantwortet werden können. Ganz besonders wenn man beginnt, anderen Menschen die Karten zu legen, ist es wichtig, bereits eine eigene Kartenlege-Ethik bereit zu haben. Hier ist als Beispiel meine eigene:

• Ich gebe keine Auskünfte zu gesundheitlichen/medizinischen Fragen ("Ich habe diesen blinden Fleck in meinem Gesichtsfeld - muss ich mir Sorgen machen?"). Ich bitte die Fragestellerin, eine medizinische Fachkraft zu konsultieren.

• Ich gebe keinen Rat zu finanziellen Themen ("Soll ich in X investieren?" oder "Kann ich es mir leisten, X zu kaufen?"). Ich bitte den Fragesteller, sich an eine vertrauenswürdige Finanzberatungsstelle zu wenden.

• Ich würde niemals den Sarg benutzen, um implizite oder explizite Voraussagen zum nahenden Tod von jemandem zu machen ("Jemand, der Ihnen wichtig ist, wird bald sterben.").

• Zwar bin ich nicht prinzipiell gegen das Kartenlegen für Minderjährige. Aber in den wenigen Fällen, in denen ich es tue, versichere ich mich im Vorfeld, dass die Erziehungsberechtigten nichts dagegen haben. Wenn Sie Minderjährigen die Karten legen wollen, erkundigen Sie sich auch, ob es in Ihrem Land rechtlich überhaupt gestattet ist!

• Wenn es einen guten Grund gibt, anzunehmen, dass der Fragesteller in spe sehr leicht beeinfluss- bzw. manipulierbar ist, oder eine verzerrte Wirklichkeitssicht hat, lege ich die Karten nicht.

• Ich halte es weder für fair noch für produktiv, Fragen zu behandeln, die das Privat- bzw. Innenleben (Gefühle, Motive) einer dritten Person betreffen ("Ist X in mich verliebt?"). Stattdessen bitte ich die Fragestellerin, die Frage aus ihrer eigenen Perspektive zu formulieren ("Ich möchte X nicht einfach direkt fragen; wie könnte ich auf andere Weise herausfinden, was X für mich empfindet?").

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