DAS KARTENLEGEN IN FÜNF SCHRITTEN

1. Frage und Legesystem
2. Ziehen und Umdrehen der Karten
3. Lesen der Karten
4. Kopfstehende Karten
5. Kartenlegen für Andere


1. Frage und Legesystem

Bevor Sie sich die Karten legen, sollten Sie Ihre Frage bzw. Ihr Anliegen genau formuliert haben. Denn dies wird darüber entscheiden, ob Sie ein Legesystem benützen und welches. Wenn man nur eine einfache, klare Antwort auf eine simple Frage möchte, kann es durchaus nützlich sein, ohne Legesystem zu arbeiten. Man fragt dann beispielsweise: “Was macht mir momentan so zu schaffen?”, zieht ein oder zwei Karten und deutet diese als Antwort: “Das macht mir so zu schaffen!” Haben Sie kein besonderes Anliegen, keine bestimmte Frage, können Sie trotzdem mit einem >> Selbsterfahrungsspiel zu mitunter sehr überraschenden Einsichten kommen.

2. Ziehen und Umdrehen der Karten

Haben Sie sich für eine Frage und ein dazupassendes Legesystem entschieden, breiten Sie die Karten verdeckt (z.B. in Form eines Kreisbogens) vor sichaus und ziehen Sie die dem Legesystem entsprechende Anzahl an Karten. Viele tun dies mit der linken, der vom Herzen kommenden Hand. Ob Sie die Karten jetzt gleich, vor Beginn der Deutung, alle gleichzeitig umdrehen oder eine nach der anderen beim Deuten, bleibt Ihnen überlassen.Ich selbst ziehe ersteres vor, weil man so von Anfang an Beziehungen zwischen den Karten in deren Deutung mit einbeziehen kann.

3. Lesen der Karten

Gehen Sie nun die Karten eine nach der anderen in einer dem Legesystem gemäß sinnvollen Reihenfolge durch und deuten Sie jede Karte in Bezug auf ihre Position. Liegt eine Karte etwa auf dem Platz, der „die Ursache des Problems“ anzeigt, so deuten Sie die Karte auch wirklich in dieser Hinsicht. Fällt Ihnen zu einer Karte zunächst nichts ein, gehen Sie einfach weiter und kommen Sie später noch einmal auf sie zurück. Oft wird die Bedeutung einer Karte erst im Zusammenhang mit einer oder mehreren anderen klar. Welche Ebene der Bedeutung einer Karte zutrifft, müssen Sie selbst intuitiv erspüren lernen. Nehmen wir beispielsweise an, Sie ziehen die Karte "XIV Die Mäßigkeit" für den Platz im Legesystem, der “Ihre Situation” beschreibt und denken nun “Was soll denn das bedeuten, ich fühle mich doch überhaupt nicht ausgeglichen, eher im Gegenteil!” Hier ist es wichtig zu wissen, dass eine Karte immer nur eine für Sie wichtige Thematik anzeigt. Sie sagt nicht, ob diese Thematik positiv (so ist es) oder negativ (genau das fehlt Ihnen) auf Sie zutrifft. Zu erkennen, welche Bedeutungsebene einer Karte zutrifft, braucht viel Übung und die Bereitschaft, auch unangenehmen Erkenntnissen und Selbstanteilen ins Auge zu sehen.

4. Kopfstehende Karten

Nun noch einige Worte zu Karten, die, wenn Sie sie fürs Deuten umdrehen, auf dem Kopf stehen. Manche Menschen deuten solche “verkehrten” Karten anders als Karten, die richtig herum stehen, z.B. als das Gegenteil der eigentlichen Bedeutung. Andere (wie ich selbst) ziehen es vor, die Karten einfach richtig herum zu drehen und sie ganz normal zu deuten. Zum einen gibt einem das etwas mehr Freiheit bei der Auslegung. Und zum anderen ist diese Herangehensweise insbesondere für AnfängerInnen einfach die vernünftigere. Es ist schließlich schon Anforderung genug, sich die Bedeutungen von 78 Karten einzuprägen, ohne sich auch noch zu jeder Karte merken zu müssen, was ihre „verkehrte“ Bedeutung ist.

5. Kartenlegen für Andere

Wenn Sie für andere Menschen Karten legen, sollten Sie sich bereits mit den Schritten 1-4 gut vertraut gemacht haben. Ich würde davon abraten, mit dem Kartenlegen für Andere zu früh zu beginnen. Sonst werden Sie ziemlich sicher mit Nervosität und Unsicherheit zu kämpfen haben - was Ihnen zum einen höchstwahrscheinlich peinlich sein wird. Vor allem aber werden Sie Ihre Unsicherheit auch ungewollt an Ihre Klientin weitergeben! Wenn Sie sich mit dem Kartenlegen aber bereits vertraut gemacht haben, kann es sehr spannend, befriedigend und für Sie selbst ungemein lehrreich sein, anderen die Karten zu legen. Es bringt allerdings auch einige Herausforderungen mit sich, auf die Sie sich vorbereiten sollten. Schwierigkeiten beim Kartenlegen für andere können verursacht werden durch:

a) Vorurteile Ihrer Klientin gegenüber

Wenn Sie sich zu schnell ein Bild davon machen, wo die Probleme einer Klientin liegen, was sie "falsch macht", drängen Sie ihr unter Umständen eine Interpretation auf, die wenig zutreffend und hilfreich ist. Dieses Risiko ist wohl besonders groß, wenn man einer Klientin sehr nahe steht bzw. das Verhältnis zu ihr sehr spannungsgeladen ist. Wenn Sie merken, dass Ihre Interpretationen von Vorurteilen relativ stark beeinflusst sind, sollten Sie das Deuten eigentlich abbrechen. Wollen Sie dies nicht tun, bleiben Sie auf jeden Fall streng bei den allgemeinen Deutungen der Karten. Fragen Sie ihre Klientin, wie diese ihrer Meinung nach am besten auf sie zutreffen, und versuchen Sie dann keinesfalls, ihr diese Interpretation auszureden, weil Sie meinen, es besser zu wissen!

b) Vorurteile der Klientin dem Tarot gegenüber

Viele Menschen haben bereits negative Erfahrungen mit Tarot gemacht. Andere gehen davon aus, dass Sie als Kartenlegerin den Anspruch erheben, die Zukunft voraussagen zu können, und lassen sich nur die Karten legen, um Ihnen dann das Gegenteil beweisen zu können. Im ersten Fall ist es wichtig, vor Beginn der Deutung zu erklären, wie Sie vorgehen werden bzw. wie Tarot funktioniert - z.B. dass Sie keineswegs Todesfälle oder anderes Unglück voraussagen werden. Im zweiten Fall würde ich überhaupt davon abraten, dieser Person die Karten zu legen. Wenn Sie es dennoch versuchen wollen, stellen Sie auch hier unbedingt zuallererst klar, dass sie nicht die Zukunft voraussagen werden, dass Sie keinesfalls den Anspruch erheben, mehr zu wissen als die Klientin selbst. Geben Sie offen zu, dass Sie beim Deuten auch auf die Hilfe der Klientin angewiesen sind, darauf, dass sie bereit ist, über ihre Probleme, Ängste etc. auch offen zu sprechen und nachzudenken. Erinnern Sie sich selbst daran, dass Sie nichts beweisen müssen.

c) Kartenlegen "nur" aus Neugier

Wieder andere Menschen sind einfach nur neugierig, wie Tarot funktioniert, möchten es "einmal ausprobieren". Das Problem dabei ist, dass dann meist nur eine oberflächliche Frage gestellt wird und die Deutung deshalb ebenfalls unbefriedigend nichtssagend ausfällt. Manchmal kann es in solche Fällen deshalb besser sein, wenn man die Klientin keine bestimmte Frage stellen lässt sondern ein >> Selbsterfahrungsspiel mit ihr spielt. Selbsterfahrungsspiele haben sich in meiner eigenen Erfahrung als äußerst nützlich herausgestellt. Denn auf diese Weise wird der Klientin ein durchaus akkurates Bild davon vermittelt, wie Tarot funktionieren kann, man steht aber nicht unter dem Druck, beeindruckende Ergebnisse produzieren zu müssen.
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